Fulfillment by Amazon(FBA)

Fulfillment by Amazon, kurz FBA, ist ein besonderer Service für Händler, die Produkte über das Internet anbieten möchten. Im Rahmen dieses Services stellt das Unternehmen den Händlern Kapazitäten in den eigenen Versandzentren zur Verfügung. Darüber hinaus kümmert sich das Unternehmen ebenfalls um das Verpacken sowie den Versand von eingegangenen Bestellungen. Händler, die den Service nutzen möchten, müssen sich zunächst registrieren.
Allerdings steht der Service nicht für alle Produkte zur Verfügung. Es existieren bestimmte Produktbeschränkungen. Logischerweise sind sämtliche Produkte ausgeschlossen, die auch sonst nicht über die Plattform angeboten werden dürfen. Dazu zählen beispielsweise Branntwein, Tabakwaren, Waffen oder aber verschreibungspflichtige Medikamente. Zusätzlich gibt es auch Einschränkungen, die sich ausschließlich auf den zusätzlichen Service des Online-Versandhändlers beziehen. So lehnt man besonders große oder schwere Produkte ab. In der Regel lässt der Online-Versandhändler Ware mit einer Größe von über 150 cm oder einem Gewicht über 30 kg nicht für das Programm zu.

Wie funktioniert es?

Händler, die sich für die Nutzung des Services des Versandriesen entschieden haben, müssen im ersten Schritt Ware an ein Logistikzentrum senden. Dabei existierten für den Versand keine Mindestmengen. So kann der Händler selber entscheiden, ob er nur einzelne Einheiten oder aber den kompletten Warenbestand an ein Logistikzentrum schicken möchte. Das Unternehmen betreibt aktuell in ganz Europa mehr als 20 solcher Zentren. Damit die Ware in Zentren sicher gelagert ist, trifft das Unternehmen verschiedene Vorkehrungen. So werden die Logistik- und Versandzentren rund um die Uhr von Sicherheitspersonal bewacht. Besonders hochwertige Ware kann zudem in speziellen Sicherheitskäfigen gelagert werden. Außerdem sind sämtliche Logistikzentren klimatisiert. Sollten trotz der Sicherheitsvorkehrungen und des sorgfältigen Umgangs mit der Ware dennoch Produkte beschädigt werden, so erstattet das Unternehmen den Händlern den entsprechenden Wiederbeschaffungswert.
Anschließend werden die erhaltenen Produkte dann eingelagert. Nun sind die Produkte dazu bereit, dass der Kunde bestellt. Sämtliche Artikel, die über Fulfillment by Amazon versendet werden, werden auf der Plattform mit einem speziellen Logo angezeigt.
Händler können sich jederzeit Teile ihres Lagerbestandes oder den gesamten Bestand zurücksenden lassen. Die Bearbeitungsdauer liegt in aller Regel zwischen 10 und 14 Tagen. Allerdings erfolgt die Rücksendung von Ware nicht umsonst. Vielmehr wird eine Remissionsgebühr fällig. Diese Gebühr liegt normalerweise bei 0,25 € pro Artikel. Hat ein Produkt Übergröße, so steigt die Remissionsgebühr auf 0,50 €. Außerdem ist es möglich, Ware aus dem Lagerbestand entsorgen zu lassen. Das ist jedoch ebenfalls mit Gebühren verbunden, die bei 0,10 € pro entsorgtem Artikel in Standardgröße liegen.
Selbstverständlich können Händler den Service auch jederzeit komplett oder für einzelne Produkte kündigen. Dies geht unkompliziert über das Verkäuferkonto. Hier kann der Händler einfach die jeweiligen Produkte löschen. Alternativ ist es auch möglich, auf die Option „Versand durch Händler“ zu wechseln.

Die Kosten

Wer den Service des Online-Versandhändlers nutzen möchte, der muss mit zwei verschiedenen Gebühren kalkulieren. So gibt es eine Lagergebühr sowie eine Versandgebühr. Darüber hinaus wird das Unternehmen zum Oktober 2018 eine neue Gebühr einführen. Diese soll für Ware fällig werden, die beim Eingang im Versandzentrum von den dort beschäftigten Mitarbeitern manuell nachbearbeitet werden muss.

Lagergebühr

Zum einen verlangt der Versandriese für die Lagerung der Ware eine Lagergebühr. Die Höhe dieser Gebühr richtet sich nach dem genutzten Volumen. So berechnet Amazon die Lagergebühr monatlich pro Kubikmeter. In den Monaten Oktober, November und Dezember verlangt das Unternehmen für jeden Kubikmeter Lagerfläche eine Gebühr in Höhe von 28 €. In den übrigen Monaten fällt die Lagergebühr etwas niedriger aus. Sie liegt während des restlichen Jahres bei 20 € pro Kubikmeter. Außerdem kann der Online-Versandhändler auch eine langfristige Lagergebühr erheben. Dazu führt das Unternehmen in seinen Lagerzentren zweimal im Jahr, nämlich Mitte Februar sowie Mitte August, eine Bestandsprüfung durch.
Im Rahmen der Lagerbestandsprüfung werden alle Produkte herausgefiltert, die sich bereits seit mehr als sechs Monaten im Versandzentrum befinden. Auf diese Artikel erhebt der Online-Versandhändler dann eine langfristige Lagergebühr, deren exakte Höhe sich nach der Lagerdauer richtet. Bei Artikeln, die zwischen sechs und zwölf Monaten eingelagert waren, liegt die langfristige Lagergebühr bei 500 € pro Kubikmeter. Für Artikel, die sich bereits länger als 12 Monate im Versandzentrum befunden haben, wird sogar eine Gebühr in Höhe von 1.000 € je Kubikmeter fällig.

Versandgebühr

Darüber hinaus fällt eine Gebühr für jede versendete Bestellung an. Die Höhe der Versandgebühr hängt von vier verschiedenen Faktoren ab. Sie berechnet sich nach Lageort, Produkttyp, Abmessungen des Produktes sowie Gewicht des Produktes.
Grundsätzlich fällt eine Versandgebühr nur dann an, wenn der Preis der versendeten Ware unter 350 € liegt. Ab einem Warenwert von 350 € wird der Versand zum Nulltarif angeboten. Dies gilt allerdings nur noch bis Ende April 2018. Zu diesem Stichtag wird der kostenlose Versand für Produkte mit einem Warenwert ab 350 € eingestellt. 

Lageort

Der Versandriese betreibt nicht nur Lager- und Versandzentren in Deutschland. Ware von deutschen Händlern wird oftmals auch in Polen und in Tschechien eingelagert. Dieses Vorgehen heißt beim Versandriesen „Programm Mitteleuropa“. Händler, die ihre Ware ausschließlich in Deutschland lagern möchten, können sich gegen die Teilnahme an diesem Programm entscheiden. In diesem Fall erhöht sich allerdings die Versandgebühr, die der Händler pro Bestellung zu entrichten hat. Für Händler, die nicht am Programm Mitteleuropa teilnehmen möchten, steigt die Gebühr um 0,50 € pro Artikel. 

Produkttyp und Produktgröße

Weiterhin hat auch der Produkttyp einen Einfluss auf die Höhe der Versandgebühr, die erhoben werden. Welcher Typ vorliegt, entscheidet sich über die Größe des Produktes. Der Online-Versandhändler unterscheidet zwischen Produkten mit Standardgröße und mit Übergröße. Produkte mit Standardgröße dürfen ein maximales Gewicht von 12 kg aufweisen. Darüber hinaus dürfen die Maße des Produkts bei höchstens 45 x 34 x 26 cm liegen. Alle Produkte, die schwerer oder größer sind, stuft der Online-Versandhändler als Übergröße ein. 

Gebühr für manuelle Bearbeitung

Die Gebühr für manuelle Bearbeitung wird zum 9. Oktober 2018 eingeführt. Diese neue Gebühr will der Versandriese erheben, wenn vom Händler in ein Versandzentrum verschickte Produkte manuell nachbearbeitet werden müssen. Die Händler verpflichten sich normalerweise dazu, für jeden an ein Versandzentrum gelieferten Karton genaue Informationen über den Inhalt bereitzustellen. Kommt ein Händler dieser Verpflichtung nicht nach, so wird er ab Oktober 2018 mit einer zusätzlichen Gebühr belastet. Mit der neuen Gebühr möchte der Online-Versandhändler eine möglichst hohe Effizienz bei der Bearbeitung von Warenlieferung erreichen. Zur konkreten Höhe der Gebühr für die manuelle Bearbeitung hat sich das Unternehmen bereits geäußert. Diese soll bei 0,07 € pro Artikel, für den eine manuelle Nachbearbeitung notwendig ist, liegen. 

Änderung der Gebühren zum April 2018

Am 26. April 2018 treten Änderungen der Gebühren in Kraft. Einerseits werden sich die monatlichen Lagergebühren verändern. So ist bereits angekündigt, dass die Lagergebühr ab dem Zeitraum Januar bis September künftig bei 26 € pro Kubikmeter liegt. In der Hauptsaison von Oktober bis Dezember müssen Händler für jeden Kubikmeter genutzte Lagerfläche 36 € bezahlen. 

Zusätzliche Services beim Versand

Händler, die sich für FBA entscheiden, können noch eine Reihe weiterer Versandservices nutzen. So bietet das Unternehmen die Möglichkeit, besonders sensible Produkte in Folienbeutel oder in Luftpolsterfolie zu verpacken. Dies erweist sich vor allem bei Flüssigkeiten sowie zerbrechlicher Ware als sehr praktisch. Für das Verpacken in Folienbeutel werden 0,45 € bei Produkten mit Standardgröße beziehungsweise 0,90 € bei Produkten mit Übergröße berechnet. Die Verpackung von Ware mit Luftpolsterfolie ist etwas teurer. Dieser Service kostet 0,70 € für Produkte in Standardgröße und 1,40 € für alle Artikel, die Übergröße haben. 

Retouren

Das Unternehmen wickelt nicht nur den Versand von Bestellung ab, sondern bearbeitet auch Retouren der Kunden. Wie hoch die Rate an Retouren ausfällt, hängt stark von der jeweiligen Produktkategorie ab. Kleidung wird beispielsweise sehr häufig retourniert. In der Regel müssen Online-Händler mit einer Retourenrate zwischen zwei Prozent und fünf Prozent kalkulieren. 

Was passiert mit zurückgeschickten Produkten?

Zurückgeschickte Produkte werden von Mitarbeitern in den Logistikzentren auf ihren Zustand geprüft. Befindet sich ein Artikel noch im gleichen Zustand, in dem sie ursprünglich gelistet worden ist, so wird die Ware wieder eingelagert. Das Produkt kann dann erneut von Kunden bestellt werden. Wird bei der Prüfung dagegen festgestellt, dass sich das zurückgeschickte Produkt in einem schlechteren Zustand als bei der Listung befindet, erhält der Händler einen Hinweis in seinem Verkäuferkonto. Der betreffende Artikel ist dort mit dem Status „Nicht verkaufbar“ gekennzeichnet. Der Händler hat nun 90 Tage Zeit, um das weitere Vorgehen zu klären. Die Ware kann entweder entsorgt oder aber zurück an den Händler geschickt werden. Reagiert der Händler innerhalb der 90 Tage nicht, so entscheidet das Unternehmen nach eigenem Ermessen, was mit der Ware passiert. 

Bearbeitungsgebühren für Retouren

Für den September 2018 ist eine Änderung hinsichtlich der Bearbeitungsgebühren für Retouren angekündigt worden. Bislang erhebt das Unternehmen nur eine Bearbeitungsgebühr für zurückgeschickte Produkte aus den Kategorien „Bekleidung“ sowie „Schuhe & Handtaschen“. Ab dem 5. September 2018 erweitert sich die Gebühr für Warenrücksendungen auf weitere Produktkategorien . Nun müssen auch Händler, die in den Kategorien „Schmuck & Uhren“ sowie „Koffer, Rucksäcke & Taschen“ verkaufen, mit einer Gebühr für jeden retournierten Artikel kalkulieren. 

Kundenservice

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Händler auf den Kundenservice des Versandriesen zurückgreifen können. Lediglich Anfragen hinsichtlich der Spezifikationen eines Produkts werden noch an den Händler selber weitergeleitet, damit er den Kunden mit Informationen versorgen kann. Alle Kundenanfragen zum Versand beantwortet das Unternehmen selber. 

Vorteile

Durch die Nutzung des Fulfillment-Services können Händler wichtige Ressourcen einsparen. Der Service lohnt sich vor allem für solche Verkäufer, die über keine eigenen logistischen Infrastrukturen verfügen. 

Einkaufswagen-Feld

Wer Produkte auf einem der Amazon-Marktplätze anbietet, der möchte natürlich möglichst viele Einheiten über die Plattform verkaufen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist das Einkaufswagen-Feld von großer Bedeutung. Bei diesem Feld handelt es sich um eine Box, die rechts oben auf jeder Produktdetailseite erscheint. Der Kunde kann den Artikel, der in diesem Feld erscheint, mit nur einem Klick in den Warenkorb legen und danach den Bestellprozess beginnen. Wer FBA nutzt, der erhöht die Chancen, Produkte in das Einkaufswagen-Feld zu bringen und somit den Umsatz zu steigern. 

Prime

Darüber hinaus erlangen die Produkte den Prime-Status und sind dementsprechend besonders interessant für die Premium-Kunden des Versandhändlers. Die Anzahl an Prime-Kunden steigt stetig an. Der Verkauf von Prime-Produkten ist für Händler sehr attraktiv, da diese Kunden besonders aktiv sind. Studien belegen, dass sie mehr Zeit auf den Amazon-Marktplätzen verbringen als „normale“ Kunden. Außerdem tätigen sie deutlich häufiger Bestellungen und haben dabei im Durchschnitt auch teurere Warenkörbe als Standardkunden. 

Easyfulfillment

Easyfulfillment möchte mit seinen Services in erster Linie die Betreiber von Online-Shops sowie Firmen ohne eigenen Logistikbereich unterstützen. Das in Köln ansässige Unternehmen übernimmt dabei für seine Kunden die Annahme und die Einlagerung von Handelswaren. Darüber hinaus bietet Easyfulfillment auch Dienstleistungen für Händler an, die ihre Ware über Amazon verkaufen und versenden lassen. So kümmert sich Easyfulfillment um alle Vorbereitungen für den Versand vor Ware in die Versand- und Logistikzentren. Easyfulfillment sorgt dafür, dass die Produkte korrekt etikettiert werden und in den Zentren ohne Probleme eingelagert werden können. Diese vorbereitenden Dienstleistungen werden ab Oktober 2018 nochmal an zusätzlicher Bedeutung gewinnen. Ab dann wird der Online-Versandhändler eine zusätzliche Gebühr für unzureichend etikettierte Ware erheben, die im Versandzentrum manuell nachbearbeitet werden muss.

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